BilRUG – Was ändert sich durch das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz?

Der Gestezgeber ist nach der letzten großen Änderung (BilMoG – Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz) im Bilanzrecht wieder einmal umfassend tätig geworden. Vor allem die Änderungen der Gewinn- und Verlustrechnung sind augenfällig und werden vermutlich zu Irritationen führen. Ein Überblick.

Größenklassen

Die Größenklasse einer Kapitalgesellschaft hängt von drei Schwellenwerten ab. Sind an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen zwei der drei Schwellenwerte überschritten, erreicht die Gesellschaft die nächst höhere Größenklasse. Mit der Größe steigt der Detaillierungsgrad im Jahresabschluss.

Große
Kapitalgesellschaft
Mittelgroße
Kapitalgesellschaft
Umsatzerlöse EUR 40.000.000,00
(vor BilRUG: EUR 38.250.000,00)
EUR 12.000.000,00
(vor BilRUG: EUR 9.680.000,00)
Bilanzsumme EUR 20.000.000,00
(vor BilRUG: EUR 19.250.000,00)
EUR 6.000.000,00
(vor BilRUG: EUR 4.800.000,00)
durchschnittliche Arbeitnehmerzahl 250
(wie zuvor)
50
(wie zuvor)

Umsatzerlöse

Wesentliche Auswirkung auf die Gewinn- und Verlustrechnung kann die Neudefinition der Umsatzerlöse haben. Bislang waren davon nur die unternehmenstypischen Umsätze erfasst. Jetzt fallen hierunter auch

„die Erlöse aus dem Verkauf und der Vermietung oder Verpachtung von Produkten sowie aus der Erbringung von Dienstleistungen […]“.

Künftig werden also viele Erlöse, die bislang als „sonstige betriebliche Erträge“ auszuweisen waren, als Umsatzerlöse gezeigt. Dass die Umstellung die Vergleichbarkeit zum Vorjahr erschwert oder im Extremfall gar unmöglich macht, hat auch der Gesetzgeber gesehen. Deshalb ist im Anhang auf die fehlende Vergleichbarkeit hinzuweisen. Zudem ist dort der Betrag der sonstigen betrieblichen Erträge des Vorjahres, die nach neuer Rechtslage als Umsatzerlöse zu qualifizieren wären, gesondert anzugeben.

Immaterielle Vermögensgegenstände

Für immaterielle Vermögensgegenstände kann eine Nutzungsdauer häufig nur schwierig ermittelt werden. Ist das nicht zuverlässig möglich, ist künftig von einer zehnjährigen Nutzungsdauer auszugehen.

Die Neuregelung greift dann auch für den sog. Geschäfts- oder Firmenwert, wenn er entgeltlich erworben wurde. Steuerlich beträgt die Nutzungsdauer des Geschäfts- oder Firmenwerts dagegen 15 Jahre.

Mit der Einführung einer weiteren zwingenden Abweichung zwischen Handels- und Steuerrecht folgt der Gesetzgeber seinem Trend der letzten Jahre gegen die handels- und steuerrechtliche Einheitsbilanz.

Anhangsangaben

Nicht nur der o. g. Hinweis auf die fehlende Vergleichbarkeit der Umsatzerlöse führt zu einer neuen Anhangsangabe.

Auch der gesonderte Ausweis von außerordentlichen Aufwendungen und Erträgen verschwindet aus dem Bild der Gewinn- und Verlustrechnung und wird künftig nur noch in einer Anhangsangabe fortgeführt.

Zum Pflichtbestandteil des Anhangs werden künftig der (zudem stärker untergliederte) Anlagespiegel und die Haftungsverhältnisse.

Darüber hinaus wird der Detaillierungsgrad der Anhangsangaben weiter erhöht. Betroffen hiervon sind z. B. Angaben zu

  • nicht in der Bilanz enthaltenen Geschäfte,
  • sonstigen finanziellen Verpflichtungen,
  • Aufteilung der Ertragsteuern,
  • Organbezügen,
  • Anteilsbesitz

und Vielem mehr.

Gerne informieren wir Sie ausführlicher. Setzen Sie sich hierzu doch mit einem unserer Wirtschaftsprüfer in Verbindung.

Ihr
Oliver Stehmann